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LWK Niedersachsen / 06.10.2026
Zukunft der Legehennenhaltung im Mittelpunkt
Fachreferenten diskutieren aktuelle Herausforderungen und Perspektiven in der Legehennenhaltung
Pressemitteilung / (Haselünne) Aktuelle Marktentwicklungen, der Umgang mit der Aviären Influenza sowie die Ausgestaltung von Ausläufen und der Schutz vor Prädatoren standen im Mittelpunkt des Fachgesprächs Legehenne am 16. September 2026 in der Stadthalle Haselünne. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) begrüßte etwa 300 Landwirtinnen und Landwirte, Berater/-innen sowie weitere Interessierte aus der Geflügelbranche zu der Veranstaltung unter dem Motto „Zukunft der Legehennenhaltung“. Begleitet wurde das Vortragsprogramm von einer Fachausstellung mit rund 20 Firmen.
Zum Auftakt betonte Manfred Tannen, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, die Bedeutung des fachlichen Austausches innerhalb der Branche. „Die gute Beteiligung zeigt, wie sehr sich das Fachgespräch Legehenne etabliert hat“, so Tannen. Die Nachfrage nach Eiern sei zuletzt deutlich gestiegen. „Eier haben eine zunehmende Bedeutung als Proteinquelle in der menschlichen Ernährung. Wir erleben derzeit einen regelrechten Eiweiß-Hype.“ Die Bedingungen für Landwirtinnen und Landwirte, in diesen Bereich zu investieren, sich z.B. ein zweites Standbein aufzubauen oder etwa von der Schweinehaltung auf eine Legehennenhaltung umzusteigen, seien deshalb prüfenswert.
Wie entwickelt sich die Branche?
Im ersten Vortragsblock standen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Eierproduktion im Mittelpunkt. Friedrich-Otto Ripke verfügt als langjähriger Vorsitzender des Niedersächsischen Geflügelwirtschaftsverbandes (NGW) sowie des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) über einen umfassenden Einblick in die Entwicklungen der Branche. In seinem Vortrag gab er einen Überblick über die aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Legehennenhaltung. Trotz attraktiver Erlöse und guter Gewinnspannen bestünden Herausforderungen und Risiken, die Legehennenhalter/-innen künftig vor Probleme stellen könnten. Der Vortrag beleuchtete Chancen, Risiken und Perspektiven der Branche.
Betriebswirtschaftliche Betrachtung der Legehennenhaltung
LWK-Geflügelberater Dominik Jacobs beleuchtete in seinem Vortrag die wirtschaftliche Situation von Legehennenhalterinnen und -haltern anhand konkreter Planungsbeispiele und verschiedener „Was-wäre-wenn“-Szenarien. Dabei zeigte er auf, wie sich Veränderungen bei Futterkosten, Eierpreisen, Investitionskosten oder Finanzierungskonditionen auf die Wirtschaftlichkeit eines Betriebes auswirken können. Der Vortrag richtete sich insbesondere an Betriebsleiter/-innen, die einen Einstieg in die Legehennenhaltung planen oder eine Betriebserweiterung in Betracht ziehen.
Aviäre Influenza – Sichtweise des Veterinäramtes
Ein weiterer Schwerpunkt der Veranstaltung war der Umgang mit der Aviären Influenza. Dr. Hermann Kramer berichtete aus der Praxis über den Umgang des Veterinäramtes mit einem Geflügelpestausbruch in einem großen Legehennenbetrieb. Im Mittelpunkt stand ein Fall aus Nordhorn, bei dem sich die Erkrankung in einem von mehreren Ställen ausbreitete. Statt einer Keulung des gesamten Bestandes wurde eine Teilkeulung angeordnet, wodurch ein Großteil der Tiere erhalten werden konnte. Der Vortrag gab Einblicke in Entscheidungsprozesse im Krisenfall, rechtliche Rahmenbedingungen sowie die Möglichkeiten und Grenzen solcher Maßnahmen aus behördlicher Sicht.
Aviäre Influenza – Sichtweise eines betroffenen Landwirts
Landwirt Jörn Andresen berichtete über einen Geflügelpestausbruch auf seinem Betrieb in Schleswig-Holstein. In einem Bestand von rund 1.500 Legehennen entwickelte sich innerhalb von nur 48 Stunden aus zunächst unauffälligen Tierverlusten ein Totalausfall mit nahezu vollständiger Mortalität. In seinem Vortrag schilderte er die Ereignisse aus erster Hand und zeigte auf, welche Maßnahmen zur Eindämmung der Seuche ergriffen wurden und wie es gelang, einen Teil des Bestandes zu erhalten sowie die Vermarktung der Eier fortzuführen. Zudem gab er wertvolle Einblicke in den Umgang mit einer Krisensituation und die Bedeutung konsequenter Biosicherheitsmaßnahmen.
Agroforst trifft Legehennenhaltung
Im dritten Block rückten Fragen rund um Tierwohl, Auslaufgestaltung und Prädatorenschutz in den Fokus. Michael Engling, Landwirt aus Geeste, stellte die Möglichkeiten von Agroforstsystemen in der Legehennenhaltung vor. Die Kombination von Bäumen und Sträuchern mit landwirtschaftlicher Nutzung böte zahlreiche Vorteile für Tier und Umwelt. Gehölze schufen Schatten und Schutz vor Greifvögeln, förderten eine gleichmäßigere Nutzung des Auslaufs und könnten zur Reduzierung von Nährstoffeinträgen im stallnahen Bereich beitragen. Darüber hinaus ließen sich Biodiversität fördern und zusätzliche Produkte wie Holz, Obst oder Nüsse erzeugen. Der Vortrag zeigte, wie diese Synergien erfolgreich in die betriebliche Praxis integriert werden können.
Auslaufgestaltung von Legehennen als Mindestanforderung für die Eiervermarktung
Thomas Mörler vom LAVES Niedersachsen erläuterte die aktuellen Anforderungen an die Auslaufgestaltung in der Freilandhaltung von Legehennen. Eine attraktive und strukturierte Gestaltung mit ausreichend Unterschlupfmöglichkeiten fördere die gleichmäßige Nutzung der Freilandflächen und trage zum Schutz vor Witterung und Greifvögeln bei. Gleichzeitig könne sie helfen, Nährstoffeinträge im stallnahen Bereich zu reduzieren und die Tiergesundheit zu fördern. Der Vortrag zeigte auf, welche Anforderungen derzeit gelten und wie diese in der Praxis umgesetzt werden können.
Bedeutung von Luftprädatoren
Prof. Dr. Oliver Krüger, Biologe und Professor für Verhaltensökologie an der Universität Bielefeld, gab einen Einblick in das Verhalten von Luftprädatoren und deren Bedeutung für die Freilandhaltung von Legehennen. Greifvogelbestände hätten sich in den vergangenen Jahrzehnten positiv entwickelt und stellten viele Betriebe vor neue Herausforderungen. Krüger stellte dar, welche Arten besonders relevant sind, wie sie ihr Jagdverhalten anpassen und warum eine sichere Artbestimmung eine wichtige Grundlage für geeignete Schutzmaßnahmen ist.
weitere Informationen: LWK Niedersachsen, www.lwk-niedersachsen.de