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Ausgezeichnete Produzenten von Gras- und Maissilage mit (v.l.) Kammerpräsident Gerhard Schwetje: Ulrich Wilkens, Heino Schemering, Henning Janssen, Onken Wedelfeld, Gebert Dommerhold, Wilfried Christoffers, Henning Ulken, © Wolfgang Ehrecke
Ausgezeichnete Produzenten von Gras- und Maissilage mit (v.l.) Kammerpräsident Gerhard Schwetje: Ulrich Wilkens, Heino Schemering, Henning Janssen, Onken Wedelfeld, Gebert Dommerhold, Wilfried Christoffers, Henning Ulken, © Wolfgang Ehrecke

LWK Niedersachsen / 18.02.2020
Wirksame Strategien gegen Mäuse und den Futternotstand

Rund 400 Besucher bei Grünlandtagen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Harsefeld und Aurich – Sieger im Silagewettbewerb ausgezeichnet

Pressemitteilung / (Harsefeld/Aurich) Die zum Teil schweren Schäden auf Grünlandflächen durch Feldmäuse und die vielerorts knappen Grundfuttervorräte der Milchviehhalter waren bestimmende Themen bei den Grünlandtagen der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen am 5. und 6. Februar in Harsefeld (Kreis Stade) und in Aurich-Middels in Ostfriesland. Eine konsequente Bekämpfung der Mäuse, die zügige Wiederherstellung der Grünlandnaben und eine maßvolle wie effiziente Düngung können den betroffenen Betrieben dabei helfen, die Produktion von Grassilage im Laufe des Frühjahrs wieder hochzufahren.

Trotz schwieriger Witterungsbedingungen beteiligten sich zahlreiche Bäuerinnen und Bauern 2019 am Gras- und Maissilagewettbewerb der LWK und lieferten gute Qualitäten ab. Die Besten im Wettbewerb wurden nun in Harsefeld und Aurich-Middels ausgezeichnet.

Schwierige Bedingungen seit drei Jahren

„Die Grünlandbetriebe haben seit nunmehr drei Jahren mit sehr schwierigen Bedingungen zu kämpfen“, berichtete Kammerpräsident Gerhard Schwetje. „Die Nässe 2017, die Trockenheit in den darauffolgenden zwei Jahren sowie die starke Vermehrung der Feldmäuse seit 2019 haben dazu geführt, dass viele Tierhalter auf ihren Flächen nicht mehr genügend Grundfutter für ihre Milchkühe produzieren können.“ Um ihre Herden satt zu bekommen und die Milchproduktion stabil zu halten, müssten sie Futter teuer zukaufen.

Rund 150.000 Hektar Grünland sind mittlerweile durch Mäuse zerstört worden. Große und zum Teil flächendeckende Schäden sind in der Wesermarsch, in Friesland, in Ostfriesland sowie in Regionen der Landkreise von Cuxhaven, Osterholz, Stade und Rotenburg zu sehen. Aus Gründen des Naturschutzes müssen Milchbauern eine Genehmigung einholen, bevor sie ihr kahlgefressenes Grünland wiederherstellen dürfen.

Futterengpass soll schnell beseitigt werden

Aktuell laufen Verhandlungen mit Beteiligung der Landwirtschaftskammer, des Landvolks, der Naturschutzbehörden sowie des Landwirtschafts- und des Umweltministeriums, um den Genehmigungsprozess zu vereinfachen und den Futterengpass zu beseitigen. „Allen Beteiligten ist klar, dass sie schnell handeln müssen, damit Sie als Betriebsleiterinnen und -leiter schnell Rechtssicherheit haben und möglichst bald mit der Arbeit beginnen können“, betonte Kammerpräsident Schwetje. Aktuell werde eine entsprechende Verordnung entwickelt.

Wichtig sei es, die Mäuse möglichst schnell und über einen langen Zeitraum zu stören, empfahl Gerd Lange, Grünland-Berater der LWK, den versammelten Milchbauern. „Bei geringem Mäusebesatz genügt noch das Schleppen und Striegeln; bei akutem Mäusebefall sind tiefer gehende Bodenbearbeitungsmaßnahmen erforderlich. Sie setzen allerdings eine entsprechende Genehmigung voraus. Erst wenn die Mäuse vertrieben sind, macht es Sinn, Neuansaat zu planen.“ Eine Erneuerung des Grünlandes koste rund 500 Euro pro Hektar.

Manchen Betrieben geht Ende Mai das Futter aus

„Wenn die Schäden am Grünland nicht rechtzeitig vor Vegetationsbeginn behoben werden können, fehlen geschätzt rund eine Million Tonnen Grastrockenmasse als Grundfutter“, verdeutlichte LWK-Rinderfachmann Dirk Albers die Situation in Niedersachsen. „Manchen Betrieben geht Ende Mai das Futter aus.“ Rationen für trockenstehende Kühe oder tragende Färsen könnten mit Stroh gestreckt werden. Aktuell sei Maissilage zum Zukaufen noch auf dem Markt erhältlich, doch es sei mit Preissteigerungen zu rechnen. Als weitere Futter-Alternativen böten sich Rüben-Trockenschnitzel, Luzerne-Heu und später auch Grünschnitt-Getreide oder Getreideganzpflanzensilage an. „Dieses Jahr können Allianzen mit Ackerbaubetrieben sehr hilfreich sein“, betonte Albers.

Als weitere Unterstützung für Milchviehhalter kann außerdem die Grundfutterbörse der Landwirtschaftskammer dienen: Als neutrales Forum bringt die Börse Betriebe zusammen, die Grundfutter suchen beziehungsweise anbieten.

Was die Düngung ihres Grünlandes angehe, müssten sich die Betriebe auf eine Reihe von Veränderungen einstellen, berichtete Reno Furmanek, bei der LWK Leiter der Düngebehörde. „Die Novelle der Düngeverordnung sieht vor, dass die bis 31. Januar dauernde Sperrfrist für das Ausbringen von Wirtschaftsdüngern in nitratsensiblen Gebieten statt am 1. November künftig bereits am 1. Oktober beginnt“, nannte Furmanek ein Beispiel. Auch die zugelassene Düngermenge werde stärker begrenzt. „Zu den Effekten, die sich daraus ergeben können, zählen steigende Kosten für die Verwertung des Wirtschaftsdüngers, etwa weil Teilmengen an andere Betriebe abgegeben werden müssen“, so Furmanek.

So effizient wie möglich düngen

Bei diesen Rahmenbedingungen empfehle es sich, die Düngung auf Grünland so effizient wie möglich zu gestalten, sagte LWK-Futterbauexperte Frerich Wilken. „Das bedeutet: Statt im Herbst möglichst erst im Frühjahr düngen, bodennahe Ausbringtechnik wie etwa Schleppschuhverteiler einsetzen, um die Ammoniakverluste klein zu halten, und mit dem zusätzlichen Mineraldünger sparsam sein.“ All das diene dem Ziel, möglichst viel Milch aus eigenem, qualitativ hochwertigem Grundfutter zu erzeugen: „Dann wird teuer zugekauftes Kraftfutter entbehrlich.“

Die im Grundfutter steckenden Nährstoffe sollten möglichst so genutzt werden, dass sie in die Produktion von Milch wanderten und nicht in die Gülle, ergänzte LWK-Rinderfachmann Dirk Albers. Er empfahl den Besucherinnen und Besuchern der Grünlandtage, die Zusammensetzung der zu Verfügung stehenden Gras- oder Maissilage im Labor untersuchen zu lassen: „Nur wer die Nährstoffwerte seines Grobfutters kennt, kann bedarfsgerecht füttern und nutzt den Stickstoffgehalt optimal aus.“

Mit Fachvorträgen und einer begleitenden Messe mit Ausstellern etwa aus den Bereichen Futtermittel, Landtechnik und Saatgut richten sich die Grünlandtage speziell an Milchviehhalter aus dem Norden und Nordwesten Niedersachsens.

Ausführlicher Bildtext zum Gruppenfoto:

Ausgezeichnete Produzenten von Gras- und Maissilage: In Aurich-Middels gratulierte (von links) Kammerpräsident Gerhard Schwetje den siegreichen Wettbewerbsteilnehmern Ulrich Wilkens (Neubörger/Kreis Emsland), Heino Schemering (Wangerland/Kreis Friesland), Henning Janssen (Westerstede/Kreis Ammerland), Onken Wedelfeld (Sande/Kreis Friesland), Gebert Dommerhold (Wittmund), Wilfried Christoffers (Aurich) und Henning Ulken (Westerstede/Kreis Ammerland).

weitere Informationen: LWK Niedersachsen, www.lwk-niedersachsen.de

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