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An der Gemüsetheke, © getreidekonservieren.de
An der Gemüsetheke, © getreidekonservieren.de

BZfE / 02.02.2022
Kein „Schönheitswahn“ bei Obst und Gemüse

Lebensmittelverschwendung vermeiden

Pressemitteilung / (Bonn) Im Supermarkt finden Verbraucherinnen und Verbraucher überwiegend perfektes Obst und Gemüse, von geraden Möhren bis zu runden Äpfeln mit makelloser Schale. Das hat ein aktueller Marktcheck des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv) bestätigt. Das Festhalten an diesen Standards belasten Klima und Umwelt, geben die Verbraucherschützer zu bedenken.

Der Handel hat großen Einfluss auf vermeidbare Verluste in der Lebensmittelproduktion. Denn oft gehen die optischen Ansprüche an Obst und Gemüse über die gesetzlichen Vorgaben hinaus. Für äußerlich perfekte und einheitliche Ware müssen Erzeugende meist zusätzlichen Aufwand betreiben. Obst und Gemüse, das den Handels-Anforderungen nicht entspricht, schafft es nicht ins Regal. Es wird weiterverarbeitet oder entsorgt, obwohl es qualitativ und geschmacklich einwandfrei ist.

In einer bundesweiten Stichprobe nahm der vzbv das Angebot an Obst und Gemüse in zwölf Supermärkten, elf Discountern und zwei Bio-Läden unter die Lupe. Nur jedes vierte Geschäft bot preisreduzierte Ware an, die aufgrund der Reife direkt verzehrt werden sollte. Das waren zum Beispiel Kirschen, Ananas, Lauch, Salat und Blattspinat. Ein Markt gab überreife Bananen kostenfrei ab.

Häufig wird Obst und Gemüse nach Klassen sortiert, auch wenn das nur für wenige Produktgruppen vorgeschrieben ist. So stammten 80 Prozent der Äpfel und Möhren aus Klasse I und nur 20 Prozent aus Klasse II, bei der auch Schönheitsfehler toleriert werden. In Discountern ist der Anteil der Klasse-II-Ware am geringsten.

Kohlrabi und Eisbergsalat wurden in den besuchten Märkten nur nach Stück und nicht nach Gewicht verkauft. Häufig gab es Größenunterschiede, obwohl der Preis gleich war. Das kann dazu führen, dass kleine Exemplare liegen bleiben. Auch Blumenkohl und Brokkoli wurden in der Regel pro Stück oder in festen Größen vermarktet. Radieschen und Kohlrabi waren nur vereinzelt ohne Blätter zu finden. Mit sattgrünem Laub sieht das Gemüse zwar attraktiver aus, aber es verliert auch mehr Feuchtigkeit und bleibt dadurch nicht so lange frisch, erklärt der vzbv.

Der Verband appelliert an den Einzelhandel, bei Obst und Gemüse auf eigene Anforderungen bezüglich Größe, Einheitlichkeit und Aussehen zu verzichten. Auch Verbraucherinnen und Verbraucher profitieren, wenn sie nach Gewicht und Bedarf kaufen können. Werden mehr unförmige Früchte mit Macken abgegeben, entsteht ein realistischeres Bild von landwirtschaftlichen Produkten. Dadurch steigen die Vermarktungschancen der Erzeuger. Allerdings muss der Kunde das veränderte Angebot abseits der Norm auch annehmen.

Autorin: Heike Kreutz

Kontakt: Bundeszentrum für Ernährung, www.bzfe.de

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