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Gemeinsam mit Fischern und Anglern der Gemeinschaftsinitiative Elbefischerei hat die Landwirtschaftskammer Niedersachsen 450.000 Glasaale in der Elbe ausgesetzt. 3500 Tiere wiegen etwa 1 kg, © Stefan Feichtinger
Gemeinsam mit Fischern und Anglern der Gemeinschaftsinitiative Elbefischerei hat die Landwirtschaftskammer Niedersachsen 450.000 Glasaale in der Elbe ausgesetzt. 3500 Tiere wiegen etwa 1 kg, © Stefan Feichtinger

LWK Niedersachsen / 27.03.2020
Artenschutz: 450.000 Glasaale in Elbe ausgesetzt

Landwirtschaftskammer Niedersachsen koordiniert Besatzaktion zum 15. Mal – Kosten liegen bei 43.000 Euro

Pressemitteilung / (Bleckede) Sie messen etwa 6 – 7 Zentimeter und sind nur 0,3 Gramm schwer – aber Elbanrainer und Forscher setzen große Hoffnung in sie: Mit Hilfe von Jungaalen soll der erheblich geschrumpfte Aalbestand in der Elbe wiederaufgebaut werden. Mitarbeiter der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK), Fischer und Angler der Gemeinschaftsinitiative Elbefischerei haben an diesem Dienstag, 24. März 2020, mit Start in Bleckede (Kreis Lüneburg) am West- und Ostufer der Elbe sowie in vielen Nebengewässern 149 Kilogramm der gläsernen Jungfische ausgesetzt. Insgesamt waren es rund 450.000 Tiere. Die LWK hat die Besatzaktion zum 15. Mal koordiniert.

Als winzige Glasaale wurden die Tiere schonend an der französischen Atlantikküste gefangen und an diesem Dienstag nach Bleckede gebracht. Die Fangsaison 2020 für Glasaale geht zu Ende. Von Januar bis ins Frühjahr werden die Tiere an den Küsten und in den Flussmündungen Frankreichs, Spaniens und Englands gefangen. Von dort reisen sie gekühlt im Fischtransporter an die Elbe, die als gutes Aufwuchsgewässer gilt. Entlang des West- und Ostufers der Elbe, in den Altarmen und Nebengewässern wie Jeetzel und Krainke wachsen die Jungaale auf und können später als erwachsene Blankaale die Elbe in Richtung ihres Laichgebietes im Atlantik wieder verlassen.

Der Elbestrom eignet sich besonders gut für den Aalbesatz: Die Wasserqualität hat sich in den zurückliegenden Jahrzehnten ständig verbessert. Mit dem Wehr in Geesthacht existiert auf dem Weg zum Meer nur ein Absperrbauwerk. Und dort erleichtert je ein Fischpass an beiden Ufern den Weg der Aale in ihr Laichgebiet.

Der europäische Aal (Anguilla anguilla) gibt der Wissenschaft noch immer viele Rätsel auf. Verstärkt arbeiten europäische Forscher an der künstlichen Nachzucht des Aals, doch die kommerzielle Nutzung ist noch Zukunftsmusik. Der Lebenszyklus des Aals ist komplex. Er laicht in der Sargassosee: Das ist ein Meeresgebiet im Atlantik östlich Floridas und südlich der Bermuda-Inseln. Wo genau die Tiere sich dort paaren und die Larven schlüpfen, ist unbekannt. Die durchsichtigen, weidenblattartigen Larven werden vom Golfstrom nach Osten verdriftet, erreichen nach etwa zwei bis drei Jahren die europäischen Küsten und entwickeln sich zu Glasaalen.

Gelingt es ihnen, die Flusssysteme hinaufzuziehen, werden die kleinen Aale durch Pigmentierung dunkel. Die Oberläufe der Flüsse sind ihre Aufwuchsgebiete, die sie nach sechs bis zwölf Jahren als erwachsene Aale verlassen, um wieder über die Nordsee und quer über den Atlantik zum Laichgebiet zu wandern.

Die Bestände des europäischen Aals sind überall in Europa seit Jahrzehnten erheblich zurückgegangen. Forscher diskutieren ungefähr ein Dutzend verschiedene Ursachen, darunter klimatische Veränderungen, die Fischerei, Parasiten, natürliche Feinde wie die Vogelart Kormoran sowie Wasserbauwerke, die die natürliche Wanderungsbewegung der Aale stören.

Die Kosten der Besatzaktion liegen in diesem Jahr bei 43.000 Euro. Hiervon werden etwa 60 Prozent vom Europäischen Meeres- und Fischereifonds sowie vom Land Niedersachsen getragen. Den verbleibenden Eigenanteil von 40 Prozent erbringen Fischer, Angler, Fischereirechtsinhaber und weitere Förderer, die sich in der Gemeinschaftsinitiative Elbefischerei (GI-Elbe) zusammengeschlossen haben. Seit mehr als 15 Jahren kümmert sich die Gemeinschaftsinitiative Elbefischerei um die fischereilichen Belange an der Elbe.

Zur Bestandssicherung des Aals hat die Europäische Union 2007 eine Aal-Verordnung erlassen, jeder Mitgliedstaat erstellte Managementpläne und setzt diese seither um – mit dem Ziel des Wiederaufbaus des Aalbestandes. Neben Niedersachsen führen auch andere Länder des Elbeeinzugsbereiches – Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Berlin – Aalbesatzmaßnahmen durch. Klar ist, dass messbare Erfolge aller Maßnahmen und der zurückliegenden Besatzaktionen sich frühestens in einigen Jahren abschätzen lassen. Aktuell ist ein positiver Trend erkennbar.

weitere Informationen: LWK Niedersachsen, www.lwk-niedersachsen.de

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