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Färsen (zuchtreife weibliche Rinder) auf dem Milchviehbetrieb von Hartmut Seetzen in Varel (Kreis Friesland): Die heimische Milchwirtschaft sieht sich für einen verbesserten Klimaschutz gut gerüstet, © Wolfgang Ehrecke
Färsen (zuchtreife weibliche Rinder) auf dem Milchviehbetrieb von Hartmut Seetzen in Varel (Kreis Friesland): Die heimische Milchwirtschaft sieht sich für einen verbesserten Klimaschutz gut gerüstet, © Wolfgang Ehrecke

LWK Niedersachsen / 07.05.2022
Milchwirtschaft in Niedersachsen bei Klimaeffizienz auf Erfolgskurs

Klimaschutz: Landvolk, Landwirtschaftskammer und Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen zeigen auf Dialogforum Einsparpotenziale in der Rinderhaltung auf / Landvolkpräsident: Niedersachsen bereits heute Klima-Weltmeister bei der Milchproduktion

Pressemitteilung / (Varel) Die heimische Milchwirtschaft sieht sich für einen verbesserten Klimaschutz gut gerüstet und will mit Effizienzsteigerungen in den Betrieben und hohem Einsatz für die Tiergesundheit eine weitere Reduktion klimarelevanter Gase erreichen. Darauf machten Landvolk, Landwirtschaftskammer und Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen am Dienstag (3. Mai) während eines Dialogforums mit Branchen- und MedienvertreterInnen auf dem Milchviehbetrieb von Hartmut Seetzen in Varel (Landkreis Friesland) aufmerksam.

„In Deutschland und insbesondere in Niedersachsen sind wir, was die Milch angeht, ganz klar Klima-Weltmeister“, stellte Dr. Holger Hennies, Präsident des Landvolks Niedersachsen, fest. „Klimatische und züchterische Bedingungen machen uns zu einem Gunststandort mit einem CO2-Fußabdruck von 1,1 CO2-Äquivalenten mit sinkender Tendenz pro Liter Rohmilch“, hob Hennies hervor. „Weltweit ist der CO2-Fußabdruck mehr als doppelt so hoch.“

In Niedersachsen werden in mehr als 8100 Betrieben knapp 800.000 Milchkühe gehalten, die jährlich rund 6,2 Millionen Tonnen Milch produzieren – das ist ein Fünftel der deutschlandweit produzierten Milchmenge. „Weil durch die Rinderhaltung Gase wie CO2 und Methan entstehen, glauben viele Verbraucherinnen und Verbraucher, dass die Bereiche Klimaschutz und Milchwirtschaft nicht gut zueinander passen – das stellt sich bei näherer Betrachtung jedoch ganz anders dar“, sagte Hermann Hermeling, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK).

„Würden Rinderbestände hierzulande reduziert, hätte das mit echtem Klimaschutz ziemlich wenig zu tun“, betonte Hermeling. „Denn die Produkte, die dennoch konsumiert werden, müssten aus dem Ausland importiert werden – die globalen Treibhausgasemissionen würden dadurch sogar eher noch steigen.“

„In der Rinderhaltung gibt es mit Blick auf den Klimaschutz drei bedeutende Bereiche: die Verdauung der Tiere, bei der Methan entsteht, die Lagerung und Verwertung des Wirtschaftsdüngers sowie die Moorflächen, auf denen viele Milchviehbetriebe ihr Grundfutter erzeugen“, sagte Dirk Albers, bei der LWK Fachreferent für Rinderzucht und Rinderhaltung. Eine Abdeckung der Güllesilos sowie eine bodennahe Ausbringung der Gülle mit moderner Landtechnik zur organischen Düngung der Acker- und Grünlandflächen können nach den Worten des LWK-Rinderfachmanns Treibhausgasemissionen ebenso reduzieren wie eine klimaschonende Nutzung der Moore.

„Wenn wir Betriebe zum Thema Klimaschutz beraten, schauen wir uns die Klimaeffizienz der Milchviehhaltung an – sie gibt Auskunft darüber, wie klimafreundlich ein Produkt erzeugt wurde“, berichtete Friederike Gerken, Leiterin der Fachgruppe Betrieb/Tier an der LWK-Bezirksstelle Oldenburg-Süd in Cloppenburg und eine der Klimaspezialistinnen der Kammer. „Um den CO2-Fußabdruck zu berechnen, untersuchen wir betriebsindividuell, wie viel CO2-Äquivalente bei der Milchproduktion entstehen – im Anschluss werden Verbesserungsmaßnahmen geplant.“ Eines der größten Einsparpotenziale liegt laut Gerken in gesunden und langlebigen Milchkühen, die eine möglichst hohe Milchleistung erbringen. „Damit verteilen sich die entstehenden Treibhausgasemissionen auf eine große Milchmenge.“

Weitere erfolgversprechende Möglichkeiten für einen noch besseren Klimaschutz gebe es bei der Dungverwertung in einer Biogasanlage sowie in der Grundfuttererzeugung, ergänzte die LWK-Klimaexpertin: „Wichtig hierbei sind ein effizienter Düngemitteleinsatz, eine positive Humusbilanz, hohe Flächenerträge sowie geringe Futterverluste, um die Treibhausgasemissionen aus der Futterbereitstellung so gering wie möglich zu halten.“

„Die Analyse der Landwirtschaftskammer hat ergeben, dass unser Betrieb beim Ausstoß von Klimagasen in der Milchproduktion bereits unter dem Bundesdurchschnitt liegt – das freut uns sehr und ist eine Bestätigung für unsere Strategie“, sagte Hartmut Seetzen, Milchviehhalter und Gastgeber des Dialogforums. „Die Auswertung hat uns überdies gezeigt, an welchen Stellschrauben wir arbeiten können, damit der CO2-Fußabdruck unseres Betriebes noch kleiner wird und wir noch klimaschonender produzieren.“

„Niedersächsische Milcherzeugerinnen und Milcherzeuger werden in Zukunft in der Lage sein, die Klimabilanz ihres Betriebes unkompliziert und mit einem einheitlichen digitalen Tool zu erfassen“, kündigte Jan Heusmann, Vorstandsvorsitzender der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen (LVN), an. „Die Daten schaffen einerseits eine verlässliche Grundlage für die stetige Weiterentwicklung der Betriebe. Andererseits bieten sie unseren Molkereien eine vergleichbare und aussagekräftige Grundlage für die Errechnung des CO2-Fußabdruckes ihrer Milch und Milchprodukte.“ Es sei gut, dass Niedersachsen diesen gemeinsamen Branchen-Pfad gehe und transparente Klimadaten für Handel und Verbraucher auf den Weg bringe, sagte Heusmann weiter. „Mit dem Ziel, dass wir alle Milch und Milchprodukte mit einem guten Gefühl genießen können.“

weitere Informationen: LWK Niedersachsen, www.lwk-niedersachsen.de

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