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Lupine, © getreidekonservieren.de
Lupine, © getreidekonservieren.de

LWK Niedersachsen / 04.07.2020
Artenvielfalt: Bäuerinnen und Bauern gestalten Agrarlandschaft der Zukunft

Neue Anbausysteme: Landwirtschaftskammer Niedersachsen beteiligt sich an Projekt FInAL zur Steigerung der Biodiversität

Pressemitteilung / (Braunschweig/Oldenburg) Eine insektenfreundliche Agrarlandschaft weiterentwickeln, in der landwirtschaftliche Betriebe gleichermaßen erfolgreich wie umweltfreundlich arbeiten können: Das ist Ziel des Projekts FInAL, das die Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen zusammen mit Landwirtinnen und Landwirten sowie mit dem Johann Heinrich von Thünen-Institut, dem Julius-Kühn-Institut sowie dem Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in der Region Braunschweig vorantreibt.

Die Abkürzung FInaL steht für „Förderung von Insekten in der Agrarlandschaft“. Das von der Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe aus Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft geförderte Projekt soll landwirtschaftliche Betriebe dabei unterstützen, alternative Anbausysteme zu entwickeln, in denen künftig mehr Insekten leben können.

„Eine Möglichkeit, Insekten zu fördern, ist der Anbau vielfältiger Feldfrüchte“, erläutert Dr. Annette Bartels, bei der LWK neben Anke Bokelmann eine der Projektkoordinatorinnen. Kulturarten, die zu den Sommerungen oder zu den Trachtpflanzen zählen – also zum Beispiel Öllein und Weiße Lupine – seien für eine Integration in die Fruchtfolge von besonderem Interesse. „Bestenfalls kann über die vielen verschiedenen Kulturen, die zu unterschiedlichen Zeiten zur Blüte kommen, über einen sehr langen Zeitraum ein Nahrungsangebot entstehen, das zum Beispiel blütenbesuchenden Insekten wie Bienen und Hummeln zu Gute kommt“, so Bartels.

Um regionale Insektenpopulationen sowie die Effekte alternativer Ackerkulturen genau untersuchen zu können, haben LandwirtInnen, WissenschaftlerInnen und LWK-Fachleute in der Nähe von Braunschweig zwei je neun Quadratkilometer große Landschaftslabore eingerichtet.

„Dieses Projekt wird zusammen mit Landwirtinnen und Landwirten aus der Region entwickelt und hat dadurch einen sehr engen Praxisbezug“, hebt Kammerpräsident Gerhard Schwetje hervor. „Die hohe Bereitschaft, sich einzubringen, zeigt, dass Artenschutz in vielen Betrieben bereits heute so mitgedacht wird, wie es die mit der Politik und den Umweltverbänden getroffene Vereinbarung ,Der Niedersächsische Weg‘ für die Zukunft vorsieht.“

Der erfolgreiche Anbau einer neuen Kultur hängt von vielen Faktoren ab. „Unsere Entwicklungen sind deswegen möglichst gut an die örtlichen Gegebenheiten angepasst“, betont LWK-Projektkoordinatorin Bartels. Während der Bodentyp bereits manche Kulturen vom Anbau ausschließe, könnten die Art der Bodenbearbeitung, die Saattiefe, der Aussaattermin und die Sortenwahl durchaus Einfluss auf einen erfolgreichen Anbau haben. Bartels: „In den Landschaftslaboren haben wir Gelegenheit, dazu wichtige Erfahrungen zu sammeln.“

Vor allem das Unkrautmanagement kann bei neuen Kulturarten zu einer besonderen Herausforderung werden. Darum haben die PflanzenbauberaterInnen der Bezirksstelle Braunschweig zusammen mit einem Landwirt aus Heiligendorf bei Wolfsburg acht innovative Kulturen nebeneinander ausgesät. Die pflanzenbaulichen Themen können die Projektbeteiligten direkt auf dem Feld diskutieren.

„Auf dem Feld stehen Sojabohnen, Weiße Lupine, Zuckerhirse, Öllein, Sonnenblume, Hanf, Färberdistel und Buchweizen“, berichtet Bartels. „Diskutiert wird auch über Möglichkeiten einer Vermarktung beziehungsweise einer Verwertung – denn erst über eine gesicherte Abnahme der Ernteprodukte und eine gesicherte Bezahlung ist der Anbau interessant für die Betriebe.“

Das Interesse an dem Versuchsfeld bei Wolfsburg ist groß – deshalb bietet die LWK-Bezirksstelle Braunschweig trotz der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie Besichtigungstermine an. Ansprechpartner hierfür ist Jan Christoph Weber.

Das Projekt FInAL genießt auch bei der Europäischen Kommission Aufmerksamkeit: Prof. Dr. Jens Dauber vom beteiligten Thünen-Institut stellte FInAL unlängst bei einem Webinar der Generaldirektion der Europäischen Kommission vor. Die Generaldirektion ist für die EU-Politik im Bereich Landwirtschaft und ländliche Entwicklung zuständig und befasst sich mit allen Aspekten der gemeinsamen Agrarpolitik.

weitere Informationen: LWK Niedersachsen, www.lwk-niedersachsen.de

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