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Winzige Glasaale im Transportbehälter mit Temperaturfühler, © Biosphaerium Elbtalaue
Winzige Glasaale im Transportbehälter mit Temperaturfühler, © Biosphaerium Elbtalaue

LWK Niedersachsen / 21.03.2021
Artenschutz: Hoffnung ruht auf 0,3 Gramm schweren Glasaalen

Landwirtschaftskammer Niedersachsen koordiniert Besatzaktion zum 16. Mal – Kosten liegen bei 40.000 Euro

Pressemitteilung / (Bleckede) Sie messen etwa 6 – 7 Zentimeter und sind nur 0,3 Gramm schwer – aber ElbanrainerInnen und ForscherInnen setzen große Hoffnung in sie: Mit Hilfe von Jungaalen soll der erheblich geschrumpfte Aalbestand in der Elbe wiederaufgebaut werden. Fachleute der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK), FischerInnen und AnglerInnen der Gemeinschaftsinitiative Elbefischerei haben an diesem Mittwoch, 17. März, mit Start in Bleckede (Kreis Lüneburg) am West- und Ostufer der Elbe sowie in vielen Nebengewässern 149 Kilogramm der gläsernen Jungfische ausgesetzt. Insgesamt waren es um die 450.000 Tiere. Die LWK hat die Besatzaktion zum 16. Mal koordiniert.

Elbe ist gutes Aufwuchsgewässer

Als winzige Glasaale wurden die Tiere schonend an der französischen Atlantikküste gefangen und an diesem Mittwoch nach Bleckede gebracht. Von Januar bis ins Frühjahr werden die Tiere an den Küsten und in den Flussmündungen Frankreichs, Spaniens und Englands gefangen. Von dort reisen sie gekühlt im Fischtransporter an die Elbe, die als gutes Aufwuchsgewässer gilt. Entlang des West- und Ostufers der Elbe, in den Altarmen und Nebengewässern wie Jeetzel und Krainke wachsen die Jungaale auf und können später als erwachsene Blankaale die Elbe in Richtung ihres Laichgebietes im Atlantik wieder verlassen.

Der Elbestrom eignet sich besonders gut für den Aalbesatz: Die Wasserqualität hat sich in den zurückliegenden Jahrzehnten ständig verbessert. Mit dem Wehr in Geesthacht existiert auf dem Weg zum Meer nur ein Absperrbauwerk. Und dort erleichtert je ein Fischpass an beiden Ufern den Weg der Aale in ihr Laichgebiet.

Rätselhafter Lebenszyklus

Der europäische Aal (Anguilla anguilla) gibt der Wissenschaft noch immer viele Rätsel auf. Verstärkt arbeiten europäische ForscherInnen an der künstlichen Nachzucht des Aals, doch die kommerzielle Nutzung ist noch Zukunftsmusik. Der Lebenszyklus des Aals ist komplex. Neue Hinweise gibt es zum Laichgebiet der Aale. Bisher geht man davon aus, dass er irgendwo in den Weiten und Tiefen der Sargassosee laicht. Das ist ein Meeresgebiet im Atlantik östlich Floridas und südlich der Bermuda-Inseln. Eine neue wissenschaftliche Veröffentlichung nimmt aktuell den Mittelatlantischen Rücken als Laichgebiet in den Fokus. So würden die Elterntiere nur die Hälfte der bisher angenommenen Strecke zurücklegen.

In jedem Fall erreichen durchsichtige, weidenblattartige Larven mit dem Golfstrom nach Osten verdriftet nach etwa zwei bis drei Jahren die europäischen Küsten. Sie entwickeln sich zu Glasaalen. Gelingt es ihnen, die Flusssysteme hinaufzuziehen, werden die kleinen Glasaale durch Pigmentierung dunkel. Die Oberläufe der Flüsse sind ihre Aufwuchsgebiete, die sie nach sechs bis zwölf Jahren als erwachsene Aale verlassen, um wieder über die Nordsee zum Laichgebiet zu wandern.

Die Bestände des europäischen Aals sind überall in Europa seit Jahrzehnten erheblich zurückgegangen. Forscher diskutieren ungefähr ein Dutzend verschiedene Ursachen, darunter klimatische Veränderungen, die Fischerei, Parasiten, natürliche Feinde wie die Vogelart Kormoran sowie Wasserbauwerke, die die natürliche Wanderungsbewegung der Aale stören.

Engagement für den Aalbestand

Die Kosten der Besatzaktion liegen in diesem Jahr bei 40.000 Euro. Hiervon werden 60 Prozent vom Europäischen Meeres- und Fischereifonds (EMFF) sowie vom Land Niedersachsen getragen. Den verbleibenden Eigenanteil von 40 Prozent erbringt die Gemeinschaftsinitiative Elbefischerei (GI-Elbe), die sich seit vielen Jahren engagiert um die fischereilichen Belange an der Elbe kümmert.

Zur Bestandssicherung des Aals hat die Europäische Union 2007 eine Aal-Verordnung erlassen. Jeder Mitgliedstaat erstellte Managementpläne und setzt diese seither um – mit dem Ziel des Wiederaufbaus des Aalbestandes. Neben Niedersachsen führen auch andere Länder des Elbeeinzugsbereiches – Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Berlin – Aalbesatzmaßnahmen durch. Klar ist, dass messbare Erfolge aller Maßnahmen und der zurückliegenden Besatzaktionen sich frühestens in einigen Jahren abschätzen lassen.

weitere Informationen: LWK Niedersachsen, www.lwk-niedersachsen.de

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