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Julius Kühn-Institut / 16.02.2026
Ackerbohnenzüchtung im Fokus: Experte Wolfgang Link im Kurzinterview inklusive Nachlese zum JKI-Workshop
Pressemitteilung / (Quedlinburg) Der Anbau von Ackerbohnen (Vicia faba L.) ist ein wichtiger Baustein für eine nachhaltige Landwirtschaft. Die Leguminose ist nicht nur eine heimische Proteinquelle, sondern trägt, wie alle Pflanzen der Familie, maßgeblich zur biologischen Stickstofffixierung bei. Sie reduziert also den Bedarf an energieintensivem mineralischem Stickstoffdünger und leistet einen wichtigen Beitrag zur Diversifizierung enger, getreidelastiger Fruchtfolgen.
Trotz der genannten Vorzüge, spielte die Ackerbohne lange nur eine untergeordnete Rolle in der pflanzenzüchterischen Forschung. Das Julius Kühn-Institut rückt deshalb die Ackerbohne in den Fokus eigener Züchtungsforschung, etwa durch seine Beteiligung an dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Graduiertenkolleg „Accelerating Crop Genetic Gain“. Zudem treibt das Bundesforschungsinstitut die Vernetzung mit den Akteuren in Forschung und Praxis voran, etwa indem es im Dezember 2025 einen Workshop in Quedlinburg ausrichtete.
Ein besonderes Workshop-Highlight stellte die Keynote von Prof. Dr. Wolfgang Link von der Universität Göttingen dar, der auf rund 40 Jahre Ackerbohnen-Forschung zurückblickte und zentrale Erkenntnisse seines wissenschaftlichen Lebenswerks präsentierte. Es folgt ein Kurzinterview mit dem ausgewiesenen Ackerbohnen-Experten:
Interview Prof. Dr. Wolfgang Link: Die Fragen stellte Dr. Andreas Stahl
- Wenn Sie auf über 40 Jahre Ackerbohnenforschung zurückblicken: Welche wissenschaftliche Erkenntnis oder Entwicklung war aus Ihrer Sicht besonders prägend?Aus der Sicht der Ackerbohne prägend war die seit rund 20 Jahren laufende Züchtungsforschung und Züchtung von Winter-Ackerbohnen. Zudem erlebte auch die Ackerbohnenzüchtung den starken Umbruch durch DNA-Marker und verwandte Techniken und die Lücke des Machbaren zwischen den „großen“ und „kleinen“ Feldfrüchten verringerte sich.
- Welche Eigenschaften sind aus Sicht der Praxis derzeit am dringendsten in der Ackerbohnenzüchtung gefragt?Die dringendsten Themen sind selten die, die am ehesten Fortschritt zeigen werden. Sehr dringend wären Resistenzen gegen den Bohnenkäfer Bruchus und Läuse, sowie gegen Pilzkrankheiten (Peronospora, Botrytis, Ascochyta, Fusarium) sowie gegen Viren. Realistischer jedoch sind weitere, graduelle Fortschritte im Kornertrag der Sorten und bei genetisch weniger komplexen Merkmalen. Beispiel: die Proteinqualität (Methionin- und Cysteingehalt). Ein sogenanntes CMS-System wäre nötig und könnte wohl in absehbarer Zeit als Grundlage für Hybridzüchtung entwickelt werden.
- Wie stellen Sie sich die Ackerbohnenzüchtung im Jahr 2040 vor?Wir werden in Populationen denken statt in Kreuzungen. Vermutlich wird man aus einer sehr viel größeren Anzahl von Genotypen (Kandidaten) Auslese betreiben als heute: basierend auf DNA-Analyse einzelner Samen. Feldprüfungen werden fokussierter sein, die Züchtungszyklen kürzer. Vorlaufzüchtung und Sortenzüchtung werden viel inniglicher verzahnt sein als sie es gegenwärtig sind.
- Welchen Rat würden Sie jungen Forschenden geben, die heute in die Ackerbohnen- und Leguminosenforschung einsteigen?Mein Rat ist eher allgemein. Möglichst selbst, gründlich und kritisch denken! Viele und gute Quellen lesen; selbst tüfteln, Dinge hinterfragen. Kein Thema und keinen Befund versteht man so kompetent wie jene, die man selbst – wenn auch nicht als Erster – erkundet hat.
- Gibt es darüber hinaus etwas, das Sie der nächsten, übernächsten Generation mitgeben möchten?Die Produkte in der Angewandten Genetik und Züchtungsforschung sind meistens Erkenntnisse und Daten, vermittelt auf Englisch und als Text, Grafik, Tabelle. Also soll unser Ehrgeiz in der Qualität dieser Medienformen liegen. Gute Begriffe! Klare und kurze Sätze! KI als Inspiration, nicht als Ersatz. Erklärt die Dinge statt sie zu beschreiben! Seid maximal wach gegenüber dem, was Zuhörer- und Leserschaft nicht wissen oder missverstehen könnten.
weitere Informationen: Julius Kühn-Institut, www.julius-kuehn.de