Aktuelles 726
Aktuelle Meldungen

DLG / 16.02.2026
LAND.TECHNIK für Profis: Die neuen Wege sehen und beschreiten
Schwerpunkt nachhaltige Produktivitätssteigerung Landtechnik / 25. gemeinsame Tagung „LAND.TECHNIK für Profis“ von DLG und VDI-MEG am 3. und 4. Februar 2026 in Marktoberdorf / Zentrale Frage: Wie lässt sich Produktivitätssteigerung durch technologische Innovation noch besser mit Ressourcenschutz, Umweltverantwortung und gesellschaftlicher Akzeptanz in Einklang bringen / Mehr als 200 Teilnehmer und namhafte Referenten / Diskussionen über richtungsweise Entwicklungen / zu Gast bei Agco Fendt
Pressemitteilung / (Marktoberdorf) Bereits zum 25. Mal fand die Fachtagung Land.Technik für Profis, eine gemeinsame Veranstaltung der DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) und VDI-MEG (VDI-Fachbereich Max-Eyth-Gesellschaft Agrartechnik) statt, davon schon das zweite Mal im bayerischen Marktoberdorf beim Traktorenhersteller Fendt. In diesem Jahr drehte sich alles um die Fragestellung, wie sich eine nachhaltige Produktivitätssteigerung mithilfe technologischer Neuheiten noch besser mit Ressourcenschutz, Umweltverantwortung und gesellschaftlicher Akzeptanz verbinden lässt. An zwei Veranstaltungstagen wurde in 15 Vorträgen über alternative Antriebssysteme, Innovationen und Effizienzsteigerung bei Pflanzenschutzmitteln diskutiert. Auch deren Ausbringung und die Neuerungen bei den zugehörigen Geräten sowie Drohnen- bzw. autonom fahrende Technologien zur Aussaat und Bodenbearbeitung griffen die Referenten in ihren Vorträgen auf. Dazu waren nicht nur Vortragende aus Deutschland, sondern auch aus der Schweiz als EU-Ausland vertreten, die einen wertvollen Blick über den Tellerrand boten.
Effizienz hat nicht nur Einfluss auf den ökonomischen Erfolg, sondern auch positive Auswirkungen auf die Ökologie: Diese Botschaft richtete Dr. Markus Demmel, Vorsitzender der VDI-MEG von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Freising, bereits in seinem Eingangsstatement an die Teilnehmer der mittlerweile 25. Tagung Land.Technik für Profis. Etwa 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten sich auf den Weg zu Fendt nach Marktoberdorf gemacht, wo die Tagung bereits vor 16 Jahren schon einmal stattgefunden hatte, ergänzte Demmel. Mit Blick auf die zentrale Frage der Tagung, wie sich das DLG-Leitbild „Nachhaltige Produktivitätssteigerung“ in der Landtechnik verankern lasse, unterstrich der Vorsitzende der VDI-MEG, dass die Steigerung der Effizienz, die neutral und wissenschaftlich zu bemessen sei, hierfür eine zentrale Rolle spiele.
Einzigartiges Forum bringt Landwirtschaft und Landtechnik zusammen
DLG-Präsident Hubertus Paetow stellte in seiner Begrüßung heraus, dass die Land.Technik für Profis ein einzigartiges Forum bilde, um Landwirte und Ingenieure zusammenzubringen. Er wies zudem auf den zentralen Auftrag von Landwirtschaft und Landtechnik-Industrie gleichermaßen hin: eine wachsende Weltbevölkerung mit preiswerten und qualitativ hochwertigen Lebensmitteln zu versorgen. Nachhaltige Produktivitätssteigerung als Leitbild für die DLG-Facharbeit sei hierfür der Schlüssel: Produktivitätszuwächse seien unerlässlich dafür, das Ziel der globalen Ernährungssicherung zu erreichen. Die UN-Landwirtschaftsorganisation FAO und die Universität Göttingen hätten berechnet, dass die Agrarwirtschaft weltweit jährliche Produktionszuwächse von rund 2 Prozent gewährleisten müsse, um die wachsende Weltbevölkerung stabil mit Lebensmitteln zu versorgen. Gleichzeitig seien aber vor dem Hintergrund knapper Flächen und einer nicht überall sicheren Wasserversorgung die Belastungsgrenzen des Planeten zu wahren: Man müsse also Effizienz und Ressourcenschutz miteinander in Balance bringen, unterstrich der DLG-Präsident: Innovative Technologien wie KI spielten hierfür sicherlich eine Schlüsselrolle.
Dr. Josef Mayer, Vice President und Geschäftsführer Forschung und Entwicklung bei Fendt, betonte in seinem Plenar-Vortrag vor Einstieg in die unterschiedlichen Themenblöcke ebenfalls, dass Effizienzsteigerungen in der Landwirtschaft unerlässlich seien, um den Herausforderungen globaler Märkte sowie den Anforderungen an Nachhaltigkeit und Ressourcenknappheit gleichermaßen begegnen zu können. Dr. Mayer wies in dem Zusammenhang auf zwei richtungsweisende Entwicklungen hin: Alternative Antriebe zur Emissionssenkung und die Automatisierung. Bei alternativen Kraftstoffen und Antrieben gelten nach Einschätzung des Fendt-Experten erneuerbare Flüssigkraftstoffe, insbesondere HVO (hydrierte Pflanzenöl-Kraftstoffe), Biokraftstoffe und eFuels, mittelfristig als unverzichtbar in der Landwirtschaft. Ihr Vorteil: Sie weisen eine hohe Energiedichte und eine hohe Kompatibilität zu bestehenden Motorsystemen und zur Infrastruktur auf. Ihr Einsatz habe einen sofortigen, positiven Effekt auf die CO2-Reduktion. Wasserstoff sei als alternativer Kraftstoff aus gegenwärtiger Perspektive weniger erfolgversprechend, da für den Einsatz erst umfangreiche Investitionen in die Tankstellen-Infrastruktur erforderlich wären. Mit Blick auf Automatisierung und Automation wies Dr. Mayer auf die folgende Voraussetzungen hin, die es zu schaffen gelte: Das seien insbesondere die digitale Durchgängigkeit, beispielsweise in der herstellerunabhängigen Kommunikation von Maschinen, ebenso wie eine zunehmende Automatisierung der Prozesse.
Themenblock I: Rahmenbedingungen im Wandel
Prof. Dr. Hermann Lotze-Campen, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und Humboldt-Universität Berlin, betonte, dass Extremwetterlagen im Zuge des Klimawandels Herausforderungen für Landwirte insbesondere in Mitteleuropa darstellten. Gleichzeitig habe der Agrar- und Ernährungssektor global betrachtet einen Anteil von rund 33 Prozent an den gesamten Treibhausgas-Emissionen, wovon wiederum rund 70 Prozent auf die Tierhaltung entfielen. Innovationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Agrar- und Ernährungsbranche – und somit auch in der Landtechnik-Industrie – seien zentral, um klimaresiliente und nachhaltige Produktionssysteme voranzubringen, unterstrich der Experte. Maßnahmen wie angepasste Sorten, vielfältige Fruchtfolgen, präzise Düngung, höhere Humusgehalte, Landschaftselemente sowie Agri-Photovoltaik steigern Klimaresilienz, reduzieren Emissionen und eröffnen neue Einkommensperspektiven. Gleichzeitig entstehen durch die Bioökonomie neue Wertschöpfungsketten, deren wirtschaftliche Chancen umfangreiche Innovationen und präzise Emissions- und Nährstoffmonitoring-Systeme voraussetzen.
Oliver Müller, bei der Landwirtschaftlichen Rentenbank Referent für Innovation & Strategie, ging in seinem Vortrag auf die Bedeutung von Nachhaltigkeitsaspekten aus der Sicht von Finanzierung und Banken ein. Die Regulierung im ESG-Bereich (Umwelt, Soziales und Governance/Unternehmensführung) verpflichte Banken dazu, die Nachhaltigkeitsrisiken ihrer Kreditnehmer zu identifizieren, zu bewerten und fortlaufend zu überwachen. Daher gewinne die Frage, wann Nachhaltigkeitsrisiken, wie sie etwa durch den Klimawandel bestehen, zu wirtschaftlichen Verlusten für de Unternehmen führen, für Kreditinstitute zunehmend an Bedeutung – auch wenn sich bislang die Kreditvergabe durch ESG-Regulatorik noch nicht substanziell verändert habe. Landwirten empfahl Müller, betriebliche Nachhaltigkeitsdaten zu erheben und dahingehend Transparenz zu schaffen: Betriebe, die ihre Nachhaltigkeitsleistungen sichtbar machten, eröffneten sich Chancen zur Honorierung von Klimaleistungen, potenziell auch in Form von günstigeren Kreditkonditionen. Die Rentenbank etwa fördere die Markteinführung alternativer Antriebssysteme für Maschinen ab 2026 über zinsgünstige Darlehen.
Auf den Themenkomplex Landtechnik und nachhaltige Anbausysteme ging Prof. Dr. Dr. Urs Niggli vom Institut für Agrarökologie in Aarau in der Schweiz ein. Seine Kernaussage: Innovation sei kein Selbstzweck, aber ohne Innovation – auch in der Landtechnik – werden die Ziele einer nachhaltigen Landwirtschaft nicht erreichbar sein. Der technologische Fortschritt in Züchtung, Digitalisierung, Präzisionslandtechnik und anderen Schlüsselbereichen werde bislang nicht ausreichend genutzt, was die Skalierbarkeit nachhaltiger Produktionssysteme bremse, betonte Niggli. Eine breite, technologieoffene Innovationskultur sei daher zentral, um Ressourcen wie Boden, Wasser und Biodiversität effizienter einzusetzen und agrarökologische Zusammenhänge besser zu verstehen. Moderne Landtechnik – von mechanischer Unkrautregulierung bis zu sensorgestützten Anwendungen – spielt dabei eine entscheidende Rolle, um Produktivität und Ressourcenschutz miteinander zu verbinden.
Themenblock II: Alternative Energieträger
Dr. Philipp Kress, Product Management Premium Tractors bei AGCO, machte in seinem Vortrag deutlich: Alternative Antriebe für landwirtschaftliche Maschinen stehen vor großen Herausforderungen, da Leistung, Einsatzdauer, Gewicht und Infrastruktur derzeit nur wenige realistische Alternativen zum Diesel zulassen. Daher werde es mit Blick auf alternative Antriebssysteme auf absehbare Zeit auch keine alleinige technologische Lösung geben – vielmehr braucht es einen technologieoffenen Mix aus elektrischen, flüssigen und gasförmigen Energieträgern. Batterieantriebe eignen sich besonders für kleinere und mittlere Leistungsklassen, während erneuerbare flüssige Kraftstoffe wie HVO oder eFuels kurzfristig entscheidende CO₂‑Reduktionen ermöglichen und für große Maschinen weiterhin unverzichtbar bleiben. Wasserstoff und Biomethan bieten zusätzliche Perspektiven, sind jedoch stark von regionaler Infrastruktur und Systemintegration abhängig. Insgesamt zeigte seine Analyse, dass Energiespeicherung der zentrale technische Engpass ist und nur systemorientierte, anwendungsbezogene Lösungen eine nachhaltige Transformation der Landwirtschaft ermöglichen.
Auf die Entwicklung alternativer Antriebe im Kontext des hohen Transformationsdruck, vor dem die Landwirtschaft durch die Gesetzgebung zum Klimaschutz stehe, wies Henning Eckel vom Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) hin: Der Bedarf an Kraftstoff aus der Land- und Forstwirtschaft in Deutschland betrage rund 2,1 Mrd. Liter pro Jahr, darauf entfielen 88 Prozent auf die Landwirtschaft. Bis 2045, so Eckel, müssten die Treibhausgas-Emissionen auf null sinken. Erneuerbare Antriebsenergien würden dabei zum zentralen Hebel. Elektrifizierung sei bei leichten Arbeiten bis 2030 realistisch und könne bis 2045 im kleinen Leistungssegment deutliche Effizienzgewinne bringen. Für mittlere bis schwere Feldarbeiten bleiben erneuerbare flüssige Drop‑in‑Kraftstoffe wie HVO, Biodiesel sowie Biomethan bei verfügbarer Infrastruktur entscheidend, um Bestandsmaschinen schnell zu dekarbonisieren. Damit der Umstieg auf erneuerbare Antriebsenergien gelinge, brauche es verlässliche Rahmenbedingungen, passende Infrastruktur und Investitionsanreize, unterstrich Eckel.
Dr. Hartmut Matthes, Geschäftsführer Bundesverband der Lohnunternehmen, richtete in seinem Vortrag zum Thema alternative Antriebssysteme den Fokus auf die Praktikabilität ihres Einsatzes in bestehenden Prozessketten. Aus seiner Sicht ist entscheidend, dass die Systeme sich wirtschaftlich in bestehende betriebliche Prozesse integrieren lassen. Dabei komme es weniger auf die Leistung der einzelnen Maschine, als auf die Arbeitsabläufe in ihrer Gesamtschau an. Matthes verdeutlichte dies am Beispiel des Nachtankens auf dem Feld: Mit Biodiesel sei dies schnell und unkompliziert möglich; das Nachladen einer Batterie hingegen erfordere deutlich mehr Zeit. Zudem würde bei der Umstellung auf batterieelektrische Antriebe nach derzeitigem Stand der Technik das Gewicht der Fahrzeuge deutlich zunehmen, was zulasten des Bodenschutzes ginge.
Themenblock III: Optimierte Antriebssysteme
Als Vertreter der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) in Zollikofen, Schweiz, war Roger Stirnimann zu Gast. Er referierte zu technischen Möglichkeiten alternativer Antriebskonzepte anhand ausgewählter Beispiele. Er umriss die Entwicklung bei Elektromotoren in den vergangenen Jahren: Bei den ersten E-LKWs kamen Zentralmotorkonzepte zur Anwendung, doch aktuell gibt es bei zweiachsigen Sattelzugmaschinen einen Trend hin zu elektrisch angetriebene Achsen. Zentralmotorkonzepte werden parallel weiterentwickelt. Einzelne Elektromotoren in den Rädern wären zwar aus Sicht der Antriebsleistung am effektivsten; diese Variante hielt Stirnimann allerdings für unrealistisch, da diese Technologie bisher nicht einmal für Autos entwickelt wurde und viel zu kostenintensiv wäre. Im Hinblick auf Traktoren sei die Entwicklung elektrischer Antriebslösungen noch sehr viel komplexer und auch kostentreibender, da man es hier mit besonderen Einsatzbedingungen zu tun habe. Aktuelle Lösungen reichten von sogenannten „conversion designs“ mit einem Zentralmotor und klassischem CVT-Getriebe bis zu „purpose designs“ mit fünf verteilten E-Motoren und Zwischengetrieben. Mittel- bis langfristig schätzte Stirnimann die Situation so ein, dass es, u.a. aus Kostengründen, vermehrt modulare Baukastensysteme geben werde, mit denen sich batterieelektrische und hybridisierte Antriebskonzepte realisieren lassen.
Die Optimierung der Triebkraftübertragung ist kein isoliertes Technikthema, sondern ein zentraler Baustein effizienter und bodenschonender Landwirtschaft. Ein gewisser Schlupf ist hierbei rein physikalisch notwendig, um Zugkraft aufzubauen. Darauf ging Dr. Fabian Wohlfahrt von CLAAS in seinem Vortrag zur Optimierung der Triebkraftübertragung auf den Boden ein. Er stellte klar: Schlupf ist dabei weder grundsätzlich schlecht oder gut, sondern eine notwendige Größe, die einer bewussten Steuerung bedarf. Traktion müsse als dynamischer Prozess verstanden werden, betonte Wohlfahrt – wem dies gelingt und wer darüber hinaus die verfügbaren Stellschrauben systematisch nutzt, kann Arbeitsleistung, Energieeffizienz und Bodenschutz bestmöglich in Einklang bringen. Der Experte verdeutlichte einmal mehr, dass digitale Systeme auch hier sicherlich eine wertvolle Unterstützung bieten, aber nicht das notwendige Verständnis für die Zusammenhänge ersetzen könnten. Sein Fazit: Letztlich entscheidet nicht die Theorie, sondern der Acker über den Erfolg. Transparenz, Messbarkeit und ein bewusster Umgang mit Traktion sind am Ende der Schlüssel, um diesen Erfolg reproduzierbar zu machen.
Im finalen Vortrag des ersten Veranstaltungstages ging Klemens Kalverkamp von der Nexat GmbH auf die Effizienzsteigerung in Antrieb und Ertrag ein. Er stellte die verschiedenen Module für das Nexat-System aus seinem Unternehmen vor. Als Vorteile dieses Pflanzenproduktionssystems nannte er eine minimale Bodenverdichtung und -erosion, ein besseres Wurzelwachstum, bessere Wasserversorgung sowie bessere Nährstoffverwertung. Laut eigener Analysen seien so Kosteneinsparungen von bis zu 20 Prozent und ein gesteigerter Profit von bis zu 50 Prozent möglich. Kalverkamps Fazit lautete: Wenn moderne Technik, Bodenbiologie und digitale Intelligenz zu einem Gesamtsystem verknüpft würden, könne die wachsende Weltbevölkerung nachhaltiger, effizienter und qualitativ hochwertiger ernährt werden.
Themenblock IV: Effizienzsteigerung in der Anwendung
Der zweite Veranstaltungstag, Mittwoch, 4. Februar, startete mit einem Vortrag von Prof. Dr. Bernhard Bauer von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, der auf die Vor- und Nachteile von Drohnen als neues Arbeitsmittel im Pflanzenbau einging. Als Sensorträger seien sie bereits etabliert und böten vor allem bei kleinen Schlägen mit Randstrukturen Vorteile, ebenso stelle der Einsatz von Streudrohnen mittelfristig eine Konkurrenz zum Zwei-Scheiben-Streuer dar. Bisher in der EU nicht zugelassen, erklärte Bauer, ist die Nutzung von Drohnen zur Applikation von Pflanzenschutzmitteln, obwohl ihr Einsatz auch hier vor allem bei hohen Kulturen sowie der Anwendung des PatchSpraying sinnvoll sein könnte. Insbesondere bei der Vision eines Ackerbaus ohne Fahrgassen auf dem Feld sind Agrardrohnen als Arbeitsmittel ein wichtiger Bestandteil.
Direkt darauf folgte Dr. Thomas Anken von der Agroscope Forschungsanstalt Tänikon im Schweizer Ettenhausen. Er berichtete vom Zulassungsverfahren und dem Praxiseinsatz von Sprühdrohnen in der Schweiz, die im Nachbarland vor allem im Weinbau und dort besonders in Hanglagen eingesetzt werden. Aus Kostengründen würden sie nicht für den Ackerbau genutzt: Die herkömmliche Pflanzenschutzspritze könne in naher Zukunft nicht durch die Drohne ersetzt werden. Doch auch in der Schweiz seien die Ämter sehr vorsichtig, was die Zulassung der Drohnen angehe: Anken berichtete von langwierigen Verfahren und viel persönlicher Überzeugungsarbeit. Zum praktischen Einsatz hatte er zu berichten, dass die von den Herstellern angegebenen Arbeitsbreiten von sechs bis zehn Metern durch die Luftströme nicht realistisch seien. Um zuverlässige Ergebnisse zu bekommen, werde mit großen Überlappungen gearbeitet und so nur Arbeitsbreiten von zwei bis drei Metern erreicht. Sein Fazit: Drohnen können gegenwärtig zwar einen Helikopter, aber kaum einen Traktor ersetzen. Allerdings werde unter anderem in China viel Energie in die Entwicklung neuer Produkte gesteckt.
Harald Kramer von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen nahm die Effizienzsteigerung beim chemischen Pflanzenschutz und zu diesem Zweck das ganze System unter die Lupe: Befülltechnik, Gestängebewegung, Anbauweise am Traktor, gezogenes oder selbstfahrendes System, Anzahl der Achsen, nur einer oder mehrere Tanks für ein weiteres Spritzmittel, das am Feldrand oder gezielt bei Unkrautnestern ausgebracht werden kann – all diese Faktoren spielen ebenso eine Rolle wie das Pflanzenschutzmittel selbst. Kramer sprach viele technische Neuerungen im Bereich der Ausbringung des chemischen Pflanzenschutzes an, unter anderem Technologien wie Spotspraying, Kurvenkompensation, 3D-Spraying, autonome Farmroboter und nicht zuletzt den Einsatz von Drohnen. Letztere sind für die Pflanzenschutzmittelausbringung in der EU bisher nicht zugelassen. Er legte den Zuhörenden nahe, dass sie sich nicht nur auf theoretische Testergebnisse verlassen bzw. davon verunsichern lassen sollten – es zähle immer auch der Test in der Praxis, um das beste System für den eigenen Betrieb zu finden.
Anschließend wurde die Effizienzsteigerung in der Mineraldüngung thematisiert: Stefan Kiefer von der Amazonen-Werke H. Dreyer SE & Co.KG stellte die Möglichkeiten vor, die das Controlled Row Farming System bietet: Dabei wird ein reihenbezogener Ackerbau betrieben, um eine maximale Effizienz hinsichtlich des Betriebsmitteleinsatzes zu erreichen. Durch die Einbeziehung der Begleitpflanzen soll das Agrarökosystem in seiner Wertigkeit gestärkt werden. Im Demoversuch schnitt der Weizen in Doppelreihe mit Weißklee als Untersaat schlechter ab, wahrscheinlich bedingt durch Braunrost und eine recht intensive Düngung. Zusätzlich musste der Weißklee einmal mit Messerwalze bearbeitet werden. Definitiv als Vorteil nach der Ernte bewertete Kiefer den hohen Humusaufbau im Boden. In der Folgekultur wurde Mais angebaut, mit einem Mehrertrag von 6Prozent. Kiefer zog außerdem als Resümee, dass die Bearbeitung der Reihenzwischenräume in der Zukunft ein sinnvoller Einsatzbereich für Feldrobotik sei, da ansonsten die Arbeitszeit und damit auch die Kosten zu stark ansteigen würden.
Eine Ertragserfassung ist entscheidend, um in Folgejahren die Maßnahmen zu Futteranbau und -ernte optimal wählen zu können und so reproduzierbar gute Erträge zu erzielen. Dieses Statement untermauerte Stefan Thurner von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, als er die Arbeit zu Potentialen der Effizienzsteigerung im Futterbau und bei Grünland vorstellte. Diese ist in Zusammenarbeit mit Maria Schneider und Dr. Jan Maxa entstanden. Die Autoren sehen die entscheidenden Aspekte zur Effizienzsteigerung in der Artenvielfalt, der differenzierten Nutzung – zum einen hinsichtlich der Nährstoffzusammensetzung des Futters, zum anderen im Hinblick auf die kostensparende Nutzung von Flächen (beispielsweise drei statt fünf Schnitte mähen) –, optimierte Düngung, optimierter Technikeinsatz – beispielsweise durch Parallelfahrsysteme oder eine automatisierte Einzelpflanzenbekämpfung, durch Weidenutzung und durch eine effizientere Futterkonservierung.
Bei der abschließenden Podiumsdiskussion zum Thema: „Effizienzsteigerung – was geht noch?“ reflektierten Dr. Josef Mayer, Stefan Kiefer, Harald Kramer, Mortimer von Rümker und Stefan Thurner die zurückliegenden Tagungsbeiträge. Die Moderation übernahm Roland Hörner vom DLG-Fachzentrum Landwirtschaft und Lebensmittel. Mayer fasste zusammen, dass es zukünftig notwendig werde, sich in allen Bereichen dem globalen Markt zu stellen – auch über die Landwirtschaft hinaus. Um Effizienz weiterhin zu steigern, müsse der Weg zur Autonomie aktiv beschritten und weiter daran gearbeitet werden, dass einzelne Geräte barrierefrei miteinander kommunizieren könnten – unabhängig von deren physischer Form. Stefan Kiefer ergänzte, dass der Blick auch in der Entwicklung neuer Technologien und Geräte verstärkt auf die Dinge gerichtet werden müsse, die in unserem Land bzw. in Europa gelingen – und gleichzeitig akzeptieren, dass zum Beispiel der Weltmarkt für Drohnen gegenwärtig in China liege. Besonders im Bereich autonomes Fahren verwies Kiefer auf die zahlreichen Start-ups, die sehr engagiert und entwicklungsfreudig seien. Mortimer von Rümker wies darauf hin, dass die Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau nicht von Erfolg gekrönt sein könne, sondern es wichtig sei, auch Kompromisslösungen in Betracht zu ziehen – dafür sei sicherlich auch ein gewisses Maß an Umdenken nötig, beispielsweise beim Einsatz von Farmrobotern. Vor allem im Bereich der Grünlandbewirtschaftung, fügte Stefan Thurner hinzu, finde man oft veraltete Technik. Hier lohne es sich jetzt besonders, den betrieblichen Horizont für neue Möglichkeiten zu öffnen und sich inspirieren zu lassen, Neues auszuprobieren. Harald Kramer fasste zusammen: Die Herausforderungen, die sich mit dem aktuellen Wandel ergeben, sind sicherlich vielfältig – die Lösungen, die die Branche bietet, sind es aber auch.
weitere Informationen: DLG, www.dlg.org