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AbL / 31.07.2026
Langfristige wirtschaftliche Lösungen für Betriebe statt alter Rezepte
AbL-Pressemeldung zur wirtschaftlichen Situation auf den tierhaltenden Betrieben
Pressemitteilung / (Hamm) In Deutschland ist die Milchmenge von Januar bis Mai diesen Jahres gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 6,4 Prozent stark gestiegen. Dürre- und hitzebedingt ging sie in der ersten Juliwoche um 3,6 Prozent zurück. Während der Preis für Milchprodukte an der internationalen Börse „Global Dairy Trade“ leicht steigt, zeigt der deutsche Börsenpreis für Milch für die nächsten zwölf Monate etwas nach unten. Noch Anfang des Jahres war vielfach zu hören, dass in der zweiten Jahreshälfte der Auszahlungspreis für Betriebe wieder steigen werde. Sollten damit Milchviehbetriebe beruhigt werden? Jedenfalls lassen die Marktdaten die Prognose zu, dass diese Milchkrise auf den Höfen noch bis ins nächste Jahr anhalten wird. Der Milchpreis liegt im Bundesdurchschnitt unter 40 Cent für ein Kilogramm – trotz der gesunkenen Milchmengen – und die Milchbetriebe zahlen trotz der hohen Arbeitsbelastung täglich drauf, denn die Produktionskosten liegen gemäß dem aktuellen Milch Marker Index bei 53,12 Cent.
Auch auf den schweinehaltenden Betrieben ist die wirtschaftliche Situation desaströs und die Preise für Mastschweine und Ferkel liegen weit unter Kostendeckung. Rund 60 Euro legen Mäster und Ferkelerzeuger gemeinsam gerade bei jedem Schwein hinzu. Vor allem die Sauenhalter stehen am Ende der Wertschöpfungskette und müssen – auch gemeinsam mit den Mästern – mit dem Vorlieb nehmen, was der Rest der Kette an Verarbeitung und Vermarktung ihnen übriglässt. Dabei kommt ein Großteil des Drucks nicht durch Inlandsware, sondern vor allem durch die in den letzten Jahren vor allem in Spanien gewachsenen europäischen Schweinebestände.
Elisabeth Waizenegger, Milchbäuerin und im Bundesvorstand der AbL, sagt:
„Es trifft aktuell nahezu jeden milchvieh- und schweinehaltenden Betrieb und es braucht Lösungsansätze. Die Märkte sind voll, das drückt die Preise. Wir Bäuerinnen und Bauern haben zu wenig Informationen über den Markt und somit auch darüber, was und wieviel überhaupt gewinnbringend abgesetzt werden kann. Uns fehlt die Handhabe zu planen und als Betrieb am Markt agieren zu können. Verträge wären ein sinnvolles Element für mehr Planbarkeit und Gestaltungsspielraum am Markt. Wenn die Verträge konsequent für die gesamte Milch in Deutschland angewendet würden, dann hätten wir diese Planbarkeit auch für den gesamten Milch- oder Schweinemarkt in Deutschland. Wir fordern als AbL vom Bundeslandwirtschaftsministerium, bei der anstehenden Umsetzung der EU-weiten Vertragspflicht im Herbst konsultiert zu werden. Wir Bäuerinnen und Bauern brauchen Verträge vor Lieferung, mit Preisen, die die Produktionskosten abbilden, Mengen, Laufzeiten und Qualitäten. Wichtig ist dabei, dass wir gemeinsam stark auftreten, deshalb müssen die Bündelung in Erzeugerorganisationen weiter ausgebaut werden.“
Martin Schulz, Schweinemäster und AbL-Bundesvorsitzender, führt weiter aus:
„Jetzt werden wieder Forderungen nach mehr Exporten und weniger Auflagen laut. Das sind alte Rezepte aus der Mottenkiste. Unsere Tierhaltung muss umgebaut werden zu mehr Tierwohl, sonst vertiefen sich die Gräben zwischen Gesellschaft und Bauernschaft weiter. Aber für den anstehenden Umbau brauchen wir Bäuerinnen und Bauern langfristige wirtschaftliche Perspektiven, damit Betriebe diese hohen Investitionen überhaupt tragen können. Da sind Verträge mit Berücksichtigung der Produktionskosten sinnvoll und auch die Weiterführung des Bundesprogramms Umbau Tierhaltung (BUT). Gerade sauenhaltende Betriebe stehen vor immensen Umbaumaßnahmen. Eine bundesweite langfristige Förderung vor allem der höheren Arbeitskosten, aber auch der Investitionskosten ist für langfristige wirtschaftliche Lösungen notwendig. Deshalb muss bei den anstehenden Haushaltsdebatten eine zusätzliche Summe aus dem Kernhaushalt für den Umbau der Tierhaltung bereitgestellt werden. Die AbL prüft derzeit den Klageweg gegen die vorzeitige Beendigung des BUT.“
weitere Informationen: AbL / Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V., www.abl-ev.de