Special 06

getreidekonservieren.de-Special
/ (06/2012) Interview mit der Agravis Raiffeisen AG


Frau Dr. Rahn und Manuel Stammwitz, © AGRAVIS Raiffeisen AG
Frau Dr. Rahn und Manuel Stammwitz, © AGRAVIS Raiffeisen AG

Die Agravis Raiffeisen AG mit Sitz im westfälischen Münster ist auch bei der Konservierung von hofeigenem Getreide Partner der Landwirte. Ansprechpartnerin in Fragen der Konservierung und Silierung von Futtermitteln ist Frau Dr. Sabine Rahn. Mit ihr führte Manuel Stammwitz von getreidekonservieren.de am 14.06.2012 das folgende Interview in Münster.

getreidekonservieren.de: „Frau Dr. Rahn – welchen Stellenwert nimmt die Konservierung von Futtergetreide derzeit ein?“

Frau Dr.Rahn: „Der Markt für Konservierungsmittel ist nach wie vor wachsend, und das nicht nur in den klassischen Veredelungsregionen. Auch in Gebieten mit Milchvieh registrieren wir eine steigende Nachfrage. Wachsende Anforderungen an die Qualität des Grundfutters bei gleichzeitig steigenden Unsicherheiten in den Wetterverhältnissen geben dem Verfahren ‚Konservieren‘ einen Schub.“

„Wir werden uns in Zukunft immer häufiger auf Wetterkapriolen einstellen und entsprechend reagieren müssen. Denken Sie beispielsweise an die Erntesaison 2011 in Mecklenburg-Vorpommern – der Dauerregen hat dort vielerorts zu katastrophalen Ernteeinbußen geführt.“

getreidekonservieren.de: „Können Sie kurz die Vielfalt der von der AGRAVIS angebotenen Konservierungsprodukte einordnen?

Frau Dr.Rahn: „Wir bieten unseren Kunden keinen ‚Blumenstrauß‘ an Produkten an, sondern ein klar strukturiertes Sortiment! Neben der klassischen Propionsäure zur Flüssigkonservierung führen wir auch abgepufferte Produkte wie GRAIN SAVE NC 90, das sich durch hohe Anwenderfreundlichkeit auszeichnet bei gleichzeitig hohem Wirkstoffgehalt. Speziell für CCM haben wir LUPRO MIX NC, eine abgepufferte Mischung aus Propion- und Ameisensäure und mit CCM – Stabilizer, die biologische Alternative hierzu. Beide Produkte werden bei der Silierung von CCM eingesetzt, vermeiden Nacherwärmung und sichern derart die Futterhygiene.“

„Wer sein Getreide mit Granulaten konservieren möchte, dem kommen wir mit GRAIN SAVE Granulat entgegen – hier sind allerdings bei der Lagerdauer mit maximal 6 Monaten und einer maximalen Kornfeuchte bis 20% Grenzen in der Anwendung gesetzt.“

getreidekonservieren.de: „Die klassische Propionsäure ist wenig anwenderfreundlich – ihre Alternative ist GRAIN SAVE NC 90. Ist dieses Produkt in seiner Wirkung reiner Propionsäure ebenbürtig?“

Frau Dr.Rahn: „Ja, absolut. Wir können damit Getreide und feuchten Körnermais bis zu einer Kornfeuchte von 40% sicher konservieren – und das bis zu einem Jahr lang. Die Konservierung erfolgt genauso wirkungssicher wie beim Einsatz reiner Propionsäure, ist aber mit deutlich weniger Risiken für den Anwender verbunden. Einzig die Aufwandmenge ist gegenüber Propionsäure geringfügig erhöht und die Kosten pro behandelte Tonne Getreide liegen damit etwas höher. Dies ist natürlich den puffernden Substanzen im GRAIN SAVE NC 90 geschuldet. Beachten Sie aber, dass dieses Konservierungsmittel kein Gefahrgut ist und im Sinne der Gefahrgutverordnung eben nicht als ‚ätzend‘ eingestuft ist. Dies hat für den Landwirt entscheidende Vorteile bei Transport und Anwendung.“

getreidekonservieren.de: „Worauf ist aus technischer und Anwender-Sicht zu achten, wenn Grain Save NC eingesetzt werden soll?“

Frau Dr.Rahn: „Die spezielle Formulierung von GRAIN SAVE NC 90 bedingt eine Viskosität in Abhängigkeit von der Produkttemperatur. Bei der Konservierung muß die Dosiertechnik vor Arbeitsbeginn mit dem Produkt gewissenhaft ausgelitert werden, damit es nicht zur Fehldosierung kommt. “

getreidekonservieren.de: „Eignet sich das Produkt auch für feuchten Körnermais?“

Frau Dr.Rahn: „Auch der Körnermais kann problemlos mit GRAIN SAVE NC 90 behandelt werden. Wie beim ’normalen‘ Getreide richtet sich die Aufwandmenge nach Lagerdauer und Kornfeuchte. Behandlung und Kornfeuchte beeinflussen allerdings das Rieselverhalten, Nach der Konservierung kann der Mais zusammenbacken. Bei einem Flachlager ist das natürlich unerheblich. Ist die Rieselfähigkeit verlangt, sollte der Körnermais ein paar Tage nach der Konservierung bewegt werden z.B. indem man ihn einmal umlagert. Dann stellt sich das gewohnte Fließverhalten wieder ein. “

getreidekonservieren.de: „Auch Granulate mit Säure als Wirkstoff sind in der Konservierung von Feuchtgetreide bewährt und beliebt. Für wen eignet sich das Verfahren in erster Linie?“

Frau Dr.Rahn: „Auch wenn die Flüssigkonservierung den Standard setzt, gibt es immer noch einige Betriebe, die Granulate verwenden – z.B. dort, wo die notwendige Dosiertechnik fehlt. Auch in Notsituationen kann GRAIN SAVE Granulat im Rahmen seiner Einsatzmöglichkeiten das wertvolle Futtermittel ‚Getreide‘ vor Verderb bewahren. Bei einigen Betrieben dient das Granulat aber auch als Einstiegsprodukt in das Verfahren der Konservierung. Wer mit Granulaten arbeitet, sollte daran denken, dass ihre Wirkung auf dem ‚Ausgasen‘ der Säure beruht. Das stellt besondere Anforderungen an den Arbeitsschutz.“

getreidekonservieren.de: „Welche Technik empfehlen Sie zum Einsatz Ihrer Flüssigprodukte?“

Frau Dr.Rahn: „Für alle unsere flüssigen Produkte ist eine säurefeste Ausführung der Dosiertechnik Pflicht – womit das Dosiergerät und die Dosierschnecke gemeint sind. Die Pumpe muß in der Lage sein, die geforderte Mittelmenge zuverlässig zu dosieren. Das Dosiergerät muß den Mitteldurchfluß präzise messen und in Abhängigkeit von der Viskosität die notwendige Mittelmenge nachregeln können. Interessenten für Dosiertechnik können sich an die Landtechnik in Warendorf wenden – hier können auf Wunsch komplette Konservierungsanlagen bezogen werden. Natürlich bieten wir unseren Kunden auch gleich den passenden Service an.“

getreidekonservieren.de: „Eine komplette Konservierungsanlage, die meist aus einem Dosiergerät plus Schnecke besteht, kann kostspielig sein- lohnt die Anschaffung für Einzelbetriebe oder ist die Lohnkonservierung vorzuziehen?“

Frau Dr.Rahn: „Das Münsterland ist sozusagen ein ‚Kerngebiet‘ der Flüssigkonservierung. Passende Technik ist größenteils auf den Betrieben vorhanden. Die bewährte Konservierungsanlage als Kombination aus Dosiergerät und Schnecke finden wir bei einzelnen Landwirten genauso wie als Eigentum mehrerer Landwirte. Gelegentlich verleihen auch Genossenschaften Konservierungsanlagen. Soll das Getreide als Schrot eingelagert werden, sind z.B. die Lohnunternehmer mit ihren Mühlen gut auf das Verfahren der Konservierung vorbereitet. Es gibt also je nach Aufgabenstellung verschiedene Möglichkeiten für den Landwirt – er muss das für sich Passende heraussuchen.“

getreidekonservieren.de: „Welche Faktoren beeinflussen Ihrer Meinung nach besonders das Konservierungsergebnis und welche Probleme treten in der Praxis auf?“

Frau Dr.Rahn: „Bei der Mittelwahl sollte der Anwender auf einen hohen Wirkstoffgehalt achten. Dann ist die genaue Bestimmung der Kornfeuchte für die Bestimmung der zu dosierenden Mittelmenge ein ganz wichtiger Punkt. Zur exakten Dosierung muss die Technik richtig eingestellt und das gewählte Konservierungsmittel zuverlässig ausgebracht werden können – hierzu sollte beim Konservieren z.B. regelmäßig der Durchsatz kontrolliert werden. Neu ist, dass bereits im Herbst Schadinsekten wie z.B. Kornkäfer im eingelagerten Getreide gefunden werden, bedingt durch die höheren Temperaturen im Herbst bzw. milden Winter. Darauf müssen wir uns einstellen. Abhilfe schafft nur die regelmäßige Temperaturkontrolle im Getreidestapel.“

getreidekonservieren.de: „Mit welchen Ernteverhältnissen rechnen Sie dieses Jahr und worauf müssen sich Landwirte hinsichtlich der Konservierung ihres Getreides vermutlich einstellen?“

Frau Dr.Rahn: „Jetzt schon eine Wetterprognose anzugeben, ist schwer. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen aber, dass wir uns auf alle Eventualitäten einstellen und im Bedarfsfall rechtzeitig vorsorgen sollten. Das Wetter paßt selten zu 100%. Auch die Erntefenster werden immer breiter – in dieser Zeit kann viel passieren.“

getreidekonservieren.de: „Wie schätzen Sie die wirtschaftliche Vorteilhaftigkeit des Verfahrens ‚Konservierung‘ in Vergleich zu anderen Verfahren ein, z.B. im Vergleich zur Trocknung oder auch Kühlung?“

Frau Dr.Rahn: „Die Temperatur in Stapel runter zu kühlen macht immer Sinn. Das reduziert das Risiko von Schadinsektenbefalls und damit das Lagerrisiko. Die Trocknung ist zeit- und kostenaufwendig und derzeit nach unserer Kalkulation das teuerste Verfahren. Ein Restrisiko bei der Futterhygiene bleibt außerdem bestehen. Wir haben zu dieser Fragestellung in unserem Hause eine Übersicht angefertigt, die wir den Lesern dieses Interviews gerne zur Verfügung stellen (→ im Anhang als pdf-Download).“

getreidekonservieren.de: „Frau Dr. Rahn, vielen Dank für das Gespräch.“

Download:
AGRAVIS Verfahrensvergleich Getreidekonservierung pdf ca. 869 KB


Kontakt:

AGRAVIS Raiffeisen AG
Industrieweg 110
D-48155 Münster
Tel.: +49 (0) 251-682-2289
Internet: www.getreidekonservierung.de


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